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Hab keine Religion, keine Werteskala, keine Ahnung von richtig und falsch. Sag mir an was kann ich mich festhalten? Der Sturm tobt um mich herum. Meine Gefühle verunsichern mich. Ist meine Seele wie eine leere Schale um einem höheren Willen zu folgen? Habe ich mich auf dieser Welt verirrt?

Meine Träume verfolgen mich tagelang. Sie sind nicht schön. Ich lebe allein. Meine Umwelt ist fort. Ich vertreibe meine Freunde. Gibt es einen Gott? Gott sag: Macht das Sinn oder renne ich in mein Verderben? Muss ich etwas ändern oder wachst du über dem Verlauf meines Lebens? In meinen Träumen verliere ich meine Liebsten. Gefühle verfolgen mich tagelang. Ich weine wenn ich die Nachrichten schaue. 'Einsam' ist nur ein Wort. Ich fühle nicht in Wörter. Ich träume nicht in Wörtern. Ich denke nicht mal in Wörtern. Will nicht normal sein, nur richtig. Bitte sag mir: Bin ich richtig? Bin ich falsch? Bitte sag mir, bitte bitte sag mir, dass ich richtig bin!

Was sind die Menschen nur lächerlich, wie sie durch die Strassen stolzieren. Das wichtigste in Ihrem Leben sind sie selbst. Der durchschnittliche Mensch denkt in seinem Leben nur einige wenige, an den Fingern abzählbare, Male darüber nach wie unwichtig er eigentlich ist.
Mir ist übel von der ganzen Wichtigtuerei. Die ganzen aufgeblasenen Schwätzer, platzen sollen sie. Wenn es im Leben darum geht wer besser angeben kann, wer seine Meinung am lautesten und überzeugendsten darlegt, ohne dabei etwas vom Thema zu verstehen. Was ist das für ein Leben? Keines das mir lebenswert erscheint. Kann ich nicht einfach Ich sein? Kann ich denn nicht ehrlich auch meine Zweifel eingestehen ohne dabei weniger ernst genommen zu werden? Es kann wirklich schwierig sein sich selbst zu sein in dieser Gesellschaft.
Mir ist ehrlich übel, das ganze Getue schlägt mir auf den Magen.

Zähnegeputzt sass sie da auf ihrem zu grossen Bürostuhl. Die Beine übereinandergeschlagen und auf den Monitor starrend. Aber da stand nicht etwa der Sinn des Lebens, ausgespuckt von einem Chatbot des einundzwanzigsten Jahrhunderts, nein nicht mal das Internet lief. Sie sass einfach nur da und starrte. Vielleicht schmort ihr Hirn schon, mag das Päärchen von gegenüber denken, dass während dem Essen immer mal wieder einen Blick durch das Küchenfenster hinüberwarf um zu kontrollieren ob sie immer noch da sass. Und sie sass noch.

Doch Gedanken kann man nicht sehen. Sie flogen nur so durch ihre Synapsen. Aus Hoffnung errichteten sie ein Luftschloss, von Glyzinien überwuchert stand es mitten auf einer kleinen wilden Insel. An den Fahnenmasten flatterten moosgrüne Flaggen und um die Türme flogen bunte Vogelscharen, im Chor sangen sie Lieder von Liebe und Glück. Doch konnte sie nicht alle Zeifel im Zaum halten. Unter gnadenlosen Attacken brach das Schloss schliesslich nach einem kurzen Gefecht in sich zusammen. Die Vögel waren zum singen, nicht zum kämpfen ausgebildet worden.
Schon flogen die Gedanken weiter, formierten sich im freien Fall zu Kindheitserinnerungen: Wie zitterte sie doch damals an der Kasse der Quartierladens vor Angst, die zwanzig Rappen könnten nicht genug Geld sein um das Röllchen mit den kleinen farbigen Zuckerplättchen zu kaufen. Es hat gereicht.
Die Gedanken lösen sich auf und formieren sich neu. Nun malen sie Weltbilder, im Stile von Miro und bunt wie die alternativen Marktstände mit ihren Batiktüchern. Abstrakt malen sie existierende Allmacht, freien Willen und blindes Vertrauen. Doch der tosende Krieg zwischen Vernunft und Fantasie fordert Kriegsopfer, die Bilder brennen lodernd auf den Ruinen des Luftschlosses.
Weiter ziehen die Gedanken, wandern durch die Landschaft meines Lebens. Mit Rotstift markieren sie jede Unstimmigkeit bis ich den roten Faden nicht mehr finde. Hinterrücks bespringt mich die Verzweiflung und drückt mir die Luft aus den Lungen.

Das Päärchen gegenüber ist schon lange Schlafen gegangen. Nur noch ganz selten fahren Autos durch die Strasse und ergänzen das Gekrächze aus dem Radio mit einem kurzen Rauschen. Es ist Nacht.

Die Hoffnung in meinem Herzen ist gestorben. Mit der Vorahnung auf Unglück und Schmerzen reisst schon das Verlieben eine Wunde in mein Herz.
Er hat sicher eine Freundin die er, mann-gerecht, einfach nicht erwähnt. Verknallt sich in eine meiner Freundinnen oder ignoriert meine schüchteren Annäherungsversuche.

Der Funken Hoffung der mir zwangsweise noch bleibt wird nur von der Vernunft aufrechterhalten: Nein, es ist nicht Gottes Plan, dass du einsam und als Jungfrau sterben wirst. Es hat sich nicht die ganze Welt verschworen und lacht hinter deinem Rücken über dich.
Auch du kannst dein Glück in der Liebe finden.
"Haha, wer's glaubt!" tönt es dumpf aus dem Bauch.

Verdammt. Warum?
Warum weiss ich nicht wie es ist am Morgen neben einem Geliebten aufzuwachen. Warum habe ich noch nie jemanden in der Metro geküsst. Warum weiss ich nicht wie es ist wenn jemand meinen Bauch liebkost. Warum will mich nie der Mann den ich will?

Das Leben spielt den Menschen Streiche, manche fallen hin und manche davon schlagen sich dabei schmerzhaft ein Knie auf. In seltenen Fällen kommt es zu Genickbrüchen, ob die beabsichtigt waren oder nicht? Das Leben muss sich vor niemandem für seine Taten rechtfertigen. Es tut und lässt was es will, Männer verlieben sich in Frauen die andere Männer lieben, Frauen lieben Männer, Männer Männer oder Frauen Frauen. Glücklich oder unglücklich leben sie weiter oder brechen sich das Genick.

So leben wir und lassen leben, oft nehmen wir auch Leben, nur müssen wir uns absurde Rechtfertigungen überlegen oder werden gejagt und womöglich wird uns dann unser Leben genommen von Leuten die sich eine bessere Rechtfertigung erfunden haben.

 

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