Gibt es eine Kartographie eines Lebens? Punkte an denen gewisse Taten einfacher zu vollbringen sind? Punkte an denen gewisse Worte leichter über die Zunge gehen?
Momente, Orte an denen unsichtbare Hindernisse die immer da waren und die du trotzdem nie bemerkt hast plötzlich verschwunden zu sein scheinen?
Gibt es Punkte auf der Landkarte deines Lebens an die du nur einmal kommst? Die, wenn du sie dann nicht nützt unwiderruflich vorbei sind?
In meiner Fantasie sind diese Punkte Berge und Hügel, wenn du genau auf dem Höhepunkt abspringst dann kannst du ein kleines Stück fliegen. Du gleitest einfach durch die Luft - jetzt nur nicht nervös werden, weil deine Füsse den Boden nicht mehr berühren, geniesse die Leichtigkeit des Moments, er wird schnell genug vorbeisein. Du wirst wieder landen, den festen Boden unter deinen Füssen spüren und wahrscheinlich nicht glauben was du soeben erlebt hast und es bald wieder vergessen.
Leider übergeht man solche Punkte oft unbewusst. Du spürst dann wie deine Schritte fast unmerklich leichter werden, vielleicht gleitest du schon fast über den Boden, aber da du dich nicht abstösst passiert weiter nichts und du gehst weiter, dem Pfad deines Lebens folgend, durch Täler und - wer weiss - über Hügel und - ganz selten auch - über Berge.
E330 - am Sonntag, 6. Juni 2004, 23:19 - Rubrik: vidadaismus
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In Momenten wie diesem, wird mir bewusst wie sehr ich von meiner Umwelt abhängig bin. Versagt sie mir augenscheinlich ihre Zuneigung, ihre Liebe, ihr Interesse, so fühle ich mich unnützer als der Riss in meiner Tapete.
Stell dir vor, du bist in einer Wüste - nein du hast weder Durst noch ist dir heiss, darum gehts hier nicht! - jedenfalls bist da ganz alleine, um dich nur Sand, dein Blick trifft sich am Horizont nur mit Sand und Himmel!
In dir spürst du eine riesige Wut, eine Wut mit der du die Erde sprengen könntest. Jeder Baum jedes Holzscheit, ja sogar jeden Stein würdest du zerstören, wenn es sein müsste mit deinem Atem.
Doch da ist Nichts, kein Baum, kein Holzscheit, nicht mal ein kleiner Kieselstein. Dein Atem wirbelt höchstens eine Staubwoke auf an der du glaubst ersticken zu müssen.
Deine Arme schlagen ins Leere, deine Tritte werden federnd vom Sand empfangen, deine Schreie verhallen im staubigen Himmel. Du wirfst dich auf den Boden. Da! du spürst einen Schmerz in deinen Beinen, dein Gesicht am Boden, Sand knirscht zwischen deinen Zähnen. Du spuckst voller Wut in aus und wünschst mit krächzendem Geheule die ganze Welt zur Hölle. Doch sie geht nicht. Tränen der Wut und der Verzweiflung vermischen sich mit den Sandkörnern zwischen deinen Zähnen. Du wünschtest es wäre Gift das dich von deinem Elend erlösen würde, doch niemand erhört deine Gebete. Du bist nur noch ein erbärmliches kraftloses Bündel nacktes Fleisch das sich zuckend und schluchzend im Sand wälzt. Nach Tagen des Wahnsinns fällst du in einen dunklen unruhigen Schlaf.
Manchmal, wenn ich mich des Lebens müde fühle, hätte ich gerne einen Gott, eine Göttin an ich bedingungslos glaubte, eine Macht der ich mein Schicksal in die Hände legen könnte.
Könnte ich doch nur daran glauben das die Welt gut ist, dass jedes Leben und jede Handlung, einfach Alles genauso sein muss, wie es ist. Dass jeder Mensch mit all seinen Gefühlen, jede Bombe mit ihrer ganzen Zerstörungsmacht, jeder Grashalm in seiner Unscheinbarkeit, jeder Blick und jedes Geräusch seinen Sinn und Zweck hat.
Dass es einen Plan gibt dem alles folgt, der zu einem Ziel führt.
Bin ich damit gestraft, dass ich jede meiner formulierten Wahrheiten hinterfragen und irgendwann wieder verwerfen muss?
"Hat jeder Mensch einen guten Kern?"
"Ja."
"Kann mann diesen Kern eines Menschen zerstören?"
"Ja."
"Hat jeder Mensch einen guten Kern?"
"Nein."
Die Zweifel die sich in meinen Kopf einschleichen: "Dein Leben ist nur inszeniert, jeder weiss es ausser Dir." - "Jemand liest deine Gedanken." - "Deine Gedanken beeinflussen die Wirklichkeit." ... zehren am Vertrauen zu meinem Weltverständniss.
Lebe ich am Rand des Wahnsinns?
Lebt die Menschheit am Rand des Wahnsinns?
Ich blicke in den Spiegel.
Bis mir jemand sagte ich hätte grüne Augen habe ich gedacht sie wären braun.
Jeder meiner Gedankengänge, der sich mit dieser Problematik auseinandersetzt endet in der gleichen Unsicherheit in der er gestartet ist. Ein gedanklicher Orientierungslauf der, ohne Karte und Kompass, hoffnungslos scheint.
Der Blick in den Spiegel sagte mir heute: Aussen ein unauffällig trauriger grau-blauer Kreis gefolgt von einem Übergang der durch leichtes grün streift und je nach Licht schon fast gelb schimmert und abschliessend gegen das Schwarz hin mit einem rötlichen Ocker endet.
SOllte ich von jetz an meine Augenfarbe als Blau-Grün-Braun bezeichnen? Undefinierbar? Kommt-ganz-draufan? Alles nicht so überzeugend...
Was mich wieder zu der unvermeidlichen Lichtung der farblichen Verwirrung führt.
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Es ist Nacht. Die Strassen, nass von Regen, reflektieren Lichter von Strassenlaternen.
Das Tram ist voll. Wir sind zu dritt unterwegs. Einer meiner Begleiter, er hat dunkles Haar, hat auf einer Art Sessel mit ungewöhnlich hohen Armlehnen Platz gefunden. Er bietet mir an, mich auf seinen Schoss zu setzen, was ich dankbar annehme. Ich geniesse die körperliche Nähe.
Plötzlich wird mir bewusst, dass ich gar kein Billet gelöst habe und schlagartig verdrängt eine penetrante Unbehaglichkeit das Wohlsein.
Ich verlasse das Tram an der nächsten Station um das Versäumte nachzuholen.
Die Station mit ihren überdachten Traminseln wirkt, spärlich beleuchtet, wie eine Oase im Schwarz der Nacht. Ich gehe auf dem rechten Trottoir einer leicht abschüssigen Strasse auf die Oase zu, die ein Stück die Strasse runter, auf der linken Seite, liegt. Die Gegend ist fast gänzlich verlassen.
Einige Meter weiter unten kauert R. hinter einem Busch. Er lauert jemandem auf. Ich weiss: Er will denjenigen erschiessen und ich muss ihn daran hindern.
R. steht in der Mitte der Strasse, in einer Hand eine Knarre, die Arme entspannt herunterhängend. Er schaut mich an.
Meine Hände halten entschlossen eine Waffe. Sie ist auf ihn gerichtet. Ich muss ihn daran hindern einen Menschen zu erschiessen. Wir beide wissen das. Er schaut mich unverwandt an.
Ich ziele auf die Beine, hoffe, dass ich treffe (schliesslich habe ich noch nie geschossen) und drücke ab.
In seinem Knie klafft ein schwarzes Loch, kugelrund. Sekundenbruchteile später strömt Blut aus der Wunde wie Wasser aus einem Gartenschlauch.
Das wollte ich nicht. Ich wollte ihn nicht verletzen.
Jetz renne ich zu ihm und drücke meine Hände fest auf die Wunde um das Blut zu stillen.
Meine Hände lassen los. Sie haben seine Hand gedrückt. Er blickt mich an und sagt in einem beruhigenden Tonfall, fast als würde er mit einem Kind reden: "Es war nur ein Streifschuss."
Mein Blick fixiert seine Hand, die rosa Fleischwunde. Es ist kein Blut zu sehen.
Nur ein Streifschuss!
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